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Nov14 0
Die Zukunft steckt in der Erde

Die Zukunft steckt in der Erde

Bürgermeister-Tour: Erdwärme in 2,5 Kilometer Tiefe könnte den Energiebedarf von  Groß-Rohrheim  decken – SPD-Landratskandidat Gerald Kummer bei Rainer Bersch

GROSS-ROHRHEIM. Ein heißes Thema beschäftigt die Gemeinde Groß-Rohrheim an der Nahtstelle der Landkreise Bergstraße und Groß-Gerau. Geo-Thermie heißt das Zauberwort, das Bürgermeister Rainer Bersch (SPD) im Gespräch mit Landratskandidat Gerald Kummer (SPD) nennt. Eine heiße Quelle haben Geologen in 2,5 Kilometer Tiefe  im Rheinischen Tiefgraben  unter seiner Gemeinde ausgemacht. Die müsse angebohrt werden, erzählt Bersch, und Kummer erweist sich als Experte in Sachen Erdwärme. „Das wäre für die Gemeinde ein tolle
Sache“, denn so könne man mit heißen Wasser über Generatoren Strom gewinnen und mit der Restwärme Haushalte günstig heizen. Zur Beruhigung der Kritiker fügt Bersch an, das Wasser werde  anders als im südbadischen Stauffen (wo Setzrisse auftraten) nicht entnommen, sondern in einem Kreislaufsystem angezapft. Risiko: Die Menge des heißen Wassers sei  nicht berechenbar und koste fünf Millionen Euro pro Bohrloch.
Ganz anders als mit dem warmen Segen aus der Tiefe verhalte es sich mit den Finanzen, klagte der Bürgermeister  seinem Gast Gerald Kummer sein Leid, als der sich auf seiner Tour zu den Bürgermeistern im Landkreis Bergstraße erkundigt, wo der Schuh drückt. Das Geld sprudelt nicht,  wie es müsste. Chronisch unterfinanzierte Haushalte sind fast in allen Kommunen ein dickes Problem, und Kummer wird nicht müde zu betonen, die Ursache zu benennen: Das Land lässt Städte und Gemeinden seit Jahren beim kommunalen Finanzausgleich im Stich. Und auch die neue Berechnung der Mittelzuweisung (die reicheren sollen zugunsten der ärmeren Kommunen gerupft werden) helfe fast keinem aus
dem Schneider, weil ja das zu verteilende Geld in der  Summe nur anders verteilt, aber nicht mehr werde. Das ist in der Gemeinde Groß-Rohrheim an der Nahtstelle der beiden Landkreise Groß-Gerau und Bergstraße nicht anders als landauf, landab. Kummer: „In Hessen fehlt eine Milliarde. Städte und Gemeinden müssen Steuern und Abgaben drastisch erhöhen, wenn sie ihre Haushalte in Richtung einer
geforderten schwarzen Null  fahren  wollen. Die Bürger werden zur Kasse gebeten, während sich Kanzlerin Merkel in Berlin damit brüstet, Steuern nicht erhöhen zu wollen“, kritisiert der Kandidat, der 17 Jahre lang Bürgermeister in Riedstadt war. „Wir haben kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem“, stellt Rainer Bersch klar, als er berichet, dass sein größter Gewerbesteuerzahler , der Fenster- und Türenhersteller Schüco, wegziehe.  Die Grundsteuer werde auf 360 Prozentpunkte angehoben, was ihm 57.000 Euro mehr einbringe. Doch an diesem Rad könne er nicht unablässig drehen.
Mit 660.000 Euro sei der Haushalt der 3800-Einwohnergemeinde (Gesamtvolumen von sechs Millionen Euro) in den Miesen, fast genau der Betrag, der für die Kinderbetreuung  in den beiden Kindergärten fällig werde.  Diese Summe, rund  zehn Prozent des Gesamtetats, ziehe sich wie ein roter Faden durch alle Kommunen, habe er festgestellt, bestätigte Kummer. Durch den Zwang, die kommunalen Haushalte  zu konsolidieren, fehle seit Jahren das Geld für Investitionen. Folge: Dinge, die dringend gemacht werden müssten, bleiben liegen. 2008, klagt Bersch, sei der Haushalt noch ausgeglichen gewesen. Doch dann verordnete Wiesbaden die doppelte kaufmännische Buchführung (Doppik),
und es ging in die roten Zahlen. Nichts sei durch dieses Rechnungswesen besser geworden.
Derzeit könne er seine Flächen im Industriegebiet zweimal verkaufen, sagt der Bürgermeister. Das Drogerie-Unternehmen  wolle 50.000 Quadratmeter Fläche. Bersch: „Das wäre ideal“, wenn das Aber nicht wäre. Und das hänge mit der Feuerwehr zusammen. Weil bei Rossmann wassergefährdende Stoffe gelagert würden, müsse die Feuerwehr personell verstärkt werden. Doch der sind Einsatzkräfte abhandengekommen. Man arbeite mit Biblis zusammen, das drei Feuerwehren hat.
Die Anbindung an die S-Bahn bis 2017/18 und die Breitbandversorgung  in Groß-Rohrheim waren weitere Themen im Gespräch der beiden Politiker. Sein Wahlspruch sei, sich kümmern zu wollen, sagt Kummer. Kümmern könne er sich aber nur, „wenn ich mit den Menschen spreche“.
Der SPD Landtagsabgeordnete war am 11.Oktober von seiner Partei mit einer eindrucksvollen Mehrheit ins Rennen um die Nachfolge von Matthias Wilkes (CDU) geschickt  worden. Wilkes trat nicht mehr an, weil ihn seine Partei im Kampf um einen gerechteren kommunalen Finanzausgleich in Wiesbaden nicht unterstützte.

 

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    Mein Name ist Gerald Kummer, ich bin 56 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und bewerbe mich um das Amt des Landrats des Kreises Bergstraße.

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