Landratskandidat Gerald Kummer bei Felix Kusicka – Der Bürgermeister ist optimistisch, den Wegfall der Steuereinnahmen aus der Kernkraft kompensieren zu können
BIBLIS. Der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka (51) spricht von einem „herben Schlag“. Die 8800-Einwohner-Gemeinde hat durch der Entscheidung, die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks im Zuge des Atomausstiegs vom Netz zu nehmen und die Anlage zurückzubauen, Federn gelassen. Landratskandidat Gerald Kummer (SPD) eröffnet das Gespräch beim Besuch im Bibliser Rathaus mit der Frage nach den Folgen des Aus für den Energiestandort. Er reist unter dem Motto „Kummer kümmert sich“ im Wahlkampf von Rathaus zu Rathaus, um sich bei den Bürgermeistern im Landkreis Bergstraße zu informieren, wo der Schuh drückt.
Von 800 Arbeitsplätzen gingen 400 verloren, und es werden bis Ende 2015 nur 250 Stellen bleiben, berichtet Kusicka. Eine Herausforderung für den parteilosen Bürgermeister, der erst seit einem halben Jahr im Amt ist. Es sei freilich genau das, was ihn am Amt gereizt habe, sagt der frühere finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung. Die Stilllegung habe sich auch auf den Haushalt ausgewirkt. „Es fehlen zwei Millionen Euro, die nicht zu kompensieren sind“, beklagt Kusicka den „freien Fall der Finanzen“. Die Gemeinde drückt ein Haushaltdefizit von 3,5 Millionen Euro.
Als „heißes Thema“ bezeichnet Kusicka den Kommunalen Finanzausgleich.Wir können nur ausgeben, was wir einnehmen“, stellt er klar. Aber ihm fehlt das, was ihm aus Wiesbaden über den Finanzausgleich vorenthalten wird. Auch wenn er nach dem neuen Finanzierungsplan mit rund 100.000 Euro rechnen kann.
Der Bürgermeister, bis zu seiner Wahl beim Darmstädter Müllentsorger EAD in führender Position, sieht für die Zukunft dennoch nicht schwarz. Er rechnet für Biblis Chancen bei wissenschaftsbasierten Dienstleistungen aus, setze auf Medizintechnik und auf die Nähe zum Ballungsraum Rhein-Neckar mit Mannheim und Ludwigshafen. Da sei ab 2017 mit der S-Bahn in 20 Minuten zu erreichen. Der S-Bahn fehle ein wichtiges Stück, merkt Kummer an, und Kusicka ergänzt, dass der dem Schienen-U der Anschluss nach Norden fehle, weil die Verkehrsverbünde nicht weiter gedacht hätten als bis zu den Grenzen ihrer Gebiete. „Wir brauchen mehr Mobilität“, sind sich Kummer und Kusicka einig. Der frühere Riedstädter Bürgermeister und stellvertretende Landrat im Kreis Groß-Gerau war im Regionalen Verkehrsverbund tätig, kennt sich aus und versicherte dem Bürgermeister, sich um eine bessere Anbindung zu kümmern, wenn er Landrat sei.
Für seine Gemeinde spreche zudem die ausgezeichnete Infrastruktur und eine vorbildliche Kinderbetreuung, die In den vergangenen Jahren ausgebaut worden sei. Auch auf Kummers Frage nach der Bevölkerungsentwicklung bleibt Kusicka optimistisch. Es seien zwar 450 Bürger weggezogen, aber es habe auch einen Zuwachs im gleichen Maßstab gegeben. Leerstand sei noch da, „aber ich bin optimistisch, dass wir uns weiterentwickeln“, sagt der Bürgermeister. Der Landratskandidat nickt. „Viele können sich solche Perspektiven das nicht vorstellen. Deshalb braucht es Vordenker, Menschen mit Plänen. Kusicka berichtet von seinen Bemühungen, für seine Gemeinde an Fördermittel der EU für die regionale Entwicklung zu kommen. Er rechne damit, dass der Rückbau des Atomkraftwerks durch die RWE 25 bis 30 Jahre dauere und die Brennelemente in Biblis bleiben, bis ein Endlager für den atomaren Müll gefunden ist.
„Gibt es Ängste?“ fragt Kummer den Bürgermeister, einen geborenen Bürstädter, Handball spielte und 1987 „privat in Biblis hängen geblieben“ sei. Kusicka schüttelt den Kopf. Nein. Die Gemeinde habe über Jahrzehnte ohne Berührungsängste mit dem Kraftwerk gelebt. Am Ende des munteren Gesprächs zwischen Landratskandidat und Rathauschef geht es um Handball. Und als sich Kummer verabschiedet, fällt sein Blick im Treppenhaus auf die Luftaufnahme der zwei Reaktorblöcke mit den vier Kühltürmen am Rhein – Bibliser Vergangenheit.
Wie verdaut Biblis den „herben Schlag“?
Landratskandidat Gerald Kummer bei Felix Kusicka – Der Bürgermeister ist optimistisch, den Wegfall der Steuereinnahmen aus der Kernkraft kompensieren zu können
BIBLIS. Der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka (51) spricht von einem „herben Schlag“. Die 8800-Einwohner-Gemeinde hat durch der Entscheidung, die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks im Zuge des Atomausstiegs vom Netz zu nehmen und die Anlage zurückzubauen, Federn gelassen. Landratskandidat Gerald Kummer (SPD) eröffnet das Gespräch beim Besuch im Bibliser Rathaus mit der Frage nach den Folgen des Aus für den Energiestandort. Er reist unter dem Motto „Kummer kümmert sich“ im Wahlkampf von Rathaus zu Rathaus, um sich bei den Bürgermeistern im Landkreis Bergstraße zu informieren, wo der Schuh drückt.
Von 800 Arbeitsplätzen gingen 400 verloren, und es werden bis Ende 2015 nur 250 Stellen bleiben, berichtet Kusicka. Eine Herausforderung für den parteilosen Bürgermeister, der erst seit einem halben Jahr im Amt ist. Es sei freilich genau das, was ihn am Amt gereizt habe, sagt der frühere finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung. Die Stilllegung habe sich auch auf den Haushalt ausgewirkt. „Es fehlen zwei Millionen Euro, die nicht zu kompensieren sind“, beklagt Kusicka den „freien Fall der Finanzen“. Die Gemeinde drückt ein Haushaltdefizit von 3,5 Millionen Euro.
Als „heißes Thema“ bezeichnet Kusicka den Kommunalen Finanzausgleich.Wir können nur ausgeben, was wir einnehmen“, stellt er klar. Aber ihm fehlt das, was ihm aus Wiesbaden über den Finanzausgleich vorenthalten wird. Auch wenn er nach dem neuen Finanzierungsplan mit rund 100.000 Euro rechnen kann.
Der Bürgermeister, bis zu seiner Wahl beim Darmstädter Müllentsorger EAD in führender Position, sieht für die Zukunft dennoch nicht schwarz. Er rechnet für Biblis Chancen bei wissenschaftsbasierten Dienstleistungen aus, setze auf Medizintechnik und auf die Nähe zum Ballungsraum Rhein-Neckar mit Mannheim und Ludwigshafen. Da sei ab 2017 mit der S-Bahn in 20 Minuten zu erreichen. Der S-Bahn fehle ein wichtiges Stück, merkt Kummer an, und Kusicka ergänzt, dass der dem Schienen-U der Anschluss nach Norden fehle, weil die Verkehrsverbünde nicht weiter gedacht hätten als bis zu den Grenzen ihrer Gebiete. „Wir brauchen mehr Mobilität“, sind sich Kummer und Kusicka einig. Der frühere Riedstädter Bürgermeister und stellvertretende Landrat im Kreis Groß-Gerau war im Regionalen Verkehrsverbund tätig, kennt sich aus und versicherte dem Bürgermeister, sich um eine bessere Anbindung zu kümmern, wenn er Landrat sei.
Für seine Gemeinde spreche zudem die ausgezeichnete Infrastruktur und eine vorbildliche Kinderbetreuung, die In den vergangenen Jahren ausgebaut worden sei. Auch auf Kummers Frage nach der Bevölkerungsentwicklung bleibt Kusicka optimistisch. Es seien zwar 450 Bürger weggezogen, aber es habe auch einen Zuwachs im gleichen Maßstab gegeben. Leerstand sei noch da, „aber ich bin optimistisch, dass wir uns weiterentwickeln“, sagt der Bürgermeister. Der Landratskandidat nickt. „Viele können sich solche Perspektiven das nicht vorstellen. Deshalb braucht es Vordenker, Menschen mit Plänen. Kusicka berichtet von seinen Bemühungen, für seine Gemeinde an Fördermittel der EU für die regionale Entwicklung zu kommen. Er rechne damit, dass der Rückbau des Atomkraftwerks durch die RWE 25 bis 30 Jahre dauere und die Brennelemente in Biblis bleiben, bis ein Endlager für den atomaren Müll gefunden ist.
„Gibt es Ängste?“ fragt Kummer den Bürgermeister, einen geborenen Bürstädter, Handball spielte und 1987 „privat in Biblis hängen geblieben“ sei. Kusicka schüttelt den Kopf. Nein. Die Gemeinde habe über Jahrzehnte ohne Berührungsängste mit dem Kraftwerk gelebt. Am Ende des munteren Gesprächs zwischen Landratskandidat und Rathauschef geht es um Handball. Und als sich Kummer verabschiedet, fällt sein Blick im Treppenhaus auf die Luftaufnahme der zwei Reaktorblöcke mit den vier Kühltürmen am Rhein – Bibliser Vergangenheit.