Kummer-kümmert-sich-Tour: Welterbe-Leiter Hermann Schefers beeindruckt den
Landratskandidaten
LORSCH. Ein interessierter Landratskandidat Gerald Kummer (SPD) hat sich
dieser Tage über das Kloster Lorsch im Schnellgang informieren lassen. Der
Leiter der Welterbestätte, der Historiker Dr. Hermann Schefers, hatte eine
Menge aus der Geschichte des Klosters aus der Zeit der Karolinger zu
erzählen, das ums Jahr 764 gegründet wurde. 1250 Jahre später wurde das
UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch Form neu eröffnet. Nur drei Bauten der
ehemals mächtigen Anlage sind geblieben: der westliche Teil der Basilika,
ein Abschnitt der Klostermauer und die berühmte Königshalle. Alles andere
wurde im Laufe der Jahrhunderte zerstört, und die Steine wurden in anderen
Gebäuden verbaut. Drei Jahre lang war das weitläufige Areal des „Verlorenen Klosters“ überarbeitet, landschaftsarchitektonisch verbunden und ergänzt
worden, zwölf Millionen Euro wurden investiert. Jetzt soll das Welterbe
touristisch vermarktet werden.
45000 Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt, die sich auf einem etwa
drei Kilometer langen Rundweg das erschließen können, was von der einst
mächtigen Anlage noch zu sehen ist. 2010 seien es noch 34000 Besucher
gewesen, sagte Schefers. Die meisten Menschen kommen aus dem
Rhein-Neckar-Kreis nach Lorsch. Darmstadt sei „Ausland“. Die Gastronomie in
Lorsch habe sehr profitiert von der steigenden Besucherzahl. Auch die
Parkplatzfrage, lange Zeit umstritten, sei geklärt, versicherten die
SPD-Stadtverordneten Hans-Jürgen Sander und Frank Schierk, die Kummer zum
Ortstermin begleiteten. Die Zeigefinger deuten auf der Karte auf das Gebiet
jenseits der Weschnitz und der Straße östlich eines Wäldchens, zu Fuß
weniger Minuten vom Besucherinformationszentrum.
Die Besucherzahlen sind offenbar noch nicht zufriedenstellend: Es gebe noch
keinen „Welterbe-Tourismus“, wie er im asiatischen Raum verbreitet sei. Den
Geopark Bergstraße Odenwald nannte Schefers „ein tolles Pfund“ unter der
Dachmarke UNESCO. Allerdings gebe es noch keinen gemeinsamen Nenner,
wenngleich man mit dem Geopark eine Menge gemeinsam mache.
1991 war das Kloster Lorsch im nordafrikanischen Karthago in die Familie der
UNESCO Weltkulturerben aufgenommen worden. Damals, erklärte der Historiker
Schefers dem Politiker Kummer, habe sich unter UNESCO noch kaum einer
etwas vorstellen können. „Viele haben es noch mit UNICEF verwechselt“, sagte
er. Seitdem sei das der Begriff des Welterbes zur Marke geworden, und es
gebe weltweit Tausende solcher historisch wichtiger Stellen. Es könne auch
gar nicht genug davon geben, denn umso besser ließen sie sich weltweit
vernetzen. Hermann Schefers sprach von einer Vernetzung von Klöstern in
Armenien, Südkorea und einem heiligen Dorf in Guinea.
Einer der ältesten Pilgerberichte im Antiquariat, verfasst von einem
Oberzollinspektor des Klosters, sei ihm bei einer Auktion wahrscheinlich
durch die Lappen gegangen, gestand Historiker Schefers. Der „hochspannende
Bericht“, in dem auf 18 Seiten eine „Heiliglandfahrt“ von Lorsch nach
Palästina geschildert wird, war für 450000 Euro aufgerufen worden. „Wenn sie
noch nicht verkauft ist, bekomme ich die Schrift vielleicht noch“, hofft
Schefers.
Auch der Zullestein, einst Schiffslände des Klosters nahe der Mündung der
Weschnitz in den Rhein, solle verstärkt ins Denkmalpflegekonzept des Klosters einbezogen werden. Die Besonderheit des früheren Hafens: Der
denkmalgeschützte Ort fällt in den Zuständigkeitsbereich von Hessenforst,
liegt mitten im Natur- und Hochwasserschutzgebiet.
Ein von Geschichte bereicherter Gerald Kummer äußerte die Hoffnung, dass
Historie wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein rücke und sich Menschen
mehr für geschichtliche Zusammenhänge interessierten. Kummer erinnerte
daran, dass das 1977 unter Denkmalschutz gestellte Geburtshaus Georg
Büchners in Goddelau zerfiel und er als Riedstädter Bürgermeister das
Fachwerkgebäude mit anderen 1995 durch die Gründung eines Fördervereins
erhalten habe. Heute sei das Haus ein Kulturzentrummit einem
Literaturmuseum. Kummer war 17 Jahre lang Bürgermeister in Riedstadt, danach
als hauptamtlicher Beigeordneter Vertreter des Landrats.
Das Kloster Lorsch im Schnellgang
Kummer-kümmert-sich-Tour: Welterbe-Leiter Hermann Schefers beeindruckt den
Landratskandidaten
LORSCH. Ein interessierter Landratskandidat Gerald Kummer (SPD) hat sich
dieser Tage über das Kloster Lorsch im Schnellgang informieren lassen. Der
Leiter der Welterbestätte, der Historiker Dr. Hermann Schefers, hatte eine
Menge aus der Geschichte des Klosters aus der Zeit der Karolinger zu
erzählen, das ums Jahr 764 gegründet wurde. 1250 Jahre später wurde das
UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch Form neu eröffnet. Nur drei Bauten der
ehemals mächtigen Anlage sind geblieben: der westliche Teil der Basilika,
ein Abschnitt der Klostermauer und die berühmte Königshalle. Alles andere
wurde im Laufe der Jahrhunderte zerstört, und die Steine wurden in anderen
Gebäuden verbaut. Drei Jahre lang war das weitläufige Areal des „Verlorenen
Klosters“ überarbeitet, landschaftsarchitektonisch verbunden und ergänzt
worden, zwölf Millionen Euro wurden investiert. Jetzt soll das Welterbe
touristisch vermarktet werden.
45000 Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt, die sich auf einem etwa
drei Kilometer langen Rundweg das erschließen können, was von der einst
mächtigen Anlage noch zu sehen ist. 2010 seien es noch 34000 Besucher
gewesen, sagte Schefers. Die meisten Menschen kommen aus dem
Rhein-Neckar-Kreis nach Lorsch. Darmstadt sei „Ausland“. Die Gastronomie in
Lorsch habe sehr profitiert von der steigenden Besucherzahl. Auch die
Parkplatzfrage, lange Zeit umstritten, sei geklärt, versicherten die
SPD-Stadtverordneten Hans-Jürgen Sander und Frank Schierk, die Kummer zum
Ortstermin begleiteten. Die Zeigefinger deuten auf der Karte auf das Gebiet
jenseits der Weschnitz und der Straße östlich eines Wäldchens, zu Fuß
weniger Minuten vom Besucherinformationszentrum.
Die Besucherzahlen sind offenbar noch nicht zufriedenstellend: Es gebe noch
keinen „Welterbe-Tourismus“, wie er im asiatischen Raum verbreitet sei. Den
Geopark Bergstraße Odenwald nannte Schefers „ein tolles Pfund“ unter der
Dachmarke UNESCO. Allerdings gebe es noch keinen gemeinsamen Nenner,
wenngleich man mit dem Geopark eine Menge gemeinsam mache.
1991 war das Kloster Lorsch im nordafrikanischen Karthago in die Familie der
UNESCO Weltkulturerben aufgenommen worden. Damals, erklärte der Historiker
Schefers dem Politiker Kummer, habe sich unter UNESCO noch kaum einer
etwas vorstellen können. „Viele haben es noch mit UNICEF verwechselt“, sagte
er. Seitdem sei das der Begriff des Welterbes zur Marke geworden, und es
gebe weltweit Tausende solcher historisch wichtiger Stellen. Es könne auch
gar nicht genug davon geben, denn umso besser ließen sie sich weltweit
vernetzen. Hermann Schefers sprach von einer Vernetzung von Klöstern in
Armenien, Südkorea und einem heiligen Dorf in Guinea.
Einer der ältesten Pilgerberichte im Antiquariat, verfasst von einem
Oberzollinspektor des Klosters, sei ihm bei einer Auktion wahrscheinlich
durch die Lappen gegangen, gestand Historiker Schefers. Der „hochspannende
Bericht“, in dem auf 18 Seiten eine „Heiliglandfahrt“ von Lorsch nach
Palästina geschildert wird, war für 450000 Euro aufgerufen worden. „Wenn sie
noch nicht verkauft ist, bekomme ich die Schrift vielleicht noch“, hofft
Schefers.
Auch der Zullestein, einst Schiffslände des Klosters nahe der Mündung der
Weschnitz in den Rhein, solle verstärkt ins Denkmalpflegekonzept des
Klosters einbezogen werden. Die Besonderheit des früheren Hafens: Der
denkmalgeschützte Ort fällt in den Zuständigkeitsbereich von Hessenforst,
liegt mitten im Natur- und Hochwasserschutzgebiet.
Ein von Geschichte bereicherter Gerald Kummer äußerte die Hoffnung, dass
Historie wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein rücke und sich Menschen
mehr für geschichtliche Zusammenhänge interessierten. Kummer erinnerte
daran, dass das 1977 unter Denkmalschutz gestellte Geburtshaus Georg
Büchners in Goddelau zerfiel und er als Riedstädter Bürgermeister das
Fachwerkgebäude mit anderen 1995 durch die Gründung eines Fördervereins
erhalten habe. Heute sei das Haus ein Kulturzentrummit einem
Literaturmuseum. Kummer war 17 Jahre lang Bürgermeister in Riedstadt, danach
als hauptamtlicher Beigeordneter Vertreter des Landrats.