Kummer-kümmert-sich-Tour: Der Landratskandidat lässt sich in Reichenbach von
Vereinsvorsitzenden Sorgen und Nöte schildern
LAUTERTAL. Die lebhafte Diskussion mit Vereinsvertretern in Lautertal war so
richtig nach dem Geschmack des Landratskandidaten Gerald Kummer. Gut drei
Wochen vor der Landratswahl am 22. März suchte Kummer das Gespräch, um zu
erfahren, wo die die Vereine der Schuh drückt. Der SPD-Ortsverbands hatte
ins Vereinsheim der Sänger- und Sportvereinigung am Felsenmeer in
Reichenbach eingeladen.
Der Lautertaler SPD-Vorsitzende Rouven Röhrig bezeichnete in seiner kurzen
Ansprache das Ehrenamt als „Fundament der Gesellschaft“. Das freilich
bröckele, weil den Vereinen aktive Mitglieder fehlten. Viele der rund 25
ehrenamtlichen Vereinschefs waren gekommen, um Frust abzulassen. Immer
wieder werde die Bedeutung des Ehrenamts beschworen, doch in der Praxis
seien die Vereine meist auf sich allein gestellt, wurde moniert.
„Ich höre immer nur Worte, aber Taten sehe ich nicht“, brachte es Rolf
Herbold auf den Punkt. Der Vorsitzende des Angelsportvereins beklagt die
wachsende Bürokratie, mit der sich Ehrenamtliche herumzuschlagen haben.
„Finden Sie heute mal einen neuen Vorsitzenden“, sagte Herbold, der sein Amt
seit 40 Jahren innehat. Es fehle Nachwuchs, weil „man keinem was zu bieten
hat“.
Früher, ja früher, habe es um Vorstandsposten noch ein Hauen und Stechen
gegeben, bestätigt Jürgen Machleid vom Verschönerungsverein Gadernheim. Denn
da sei das Amt noch angesehen gewesen. Heute aber sei kaum noch einer bereit
dazu. Denn es sei in der Freizeit immer mehr zu machen. „Rechner im Verein
zu sein, das ist ein Ding. Man bräuchte einen Steuerberater“, sagte der
Vereinsvorsitzende.
Gerald Kummer nickte nicht nur verständnisvoll, er versprach, nach der Wahl
zum Gespräch einzuladen und sich zu kümmern. Als er 1985 in seiner
Heimatstadt ehrenamtlicher Stadtverordneter geworden sei, habe man sich noch
anstellen müssen, um auf eine Kommunalwahlliste zu kommen. Heute sei das
ganz anders. Es werde immer schwerer, Menschen für die ehrenamtliche Arbeit
in der Kommunalpolitik zu begeistern, zumal die gewählten Gemeindevertreter
immer weniger entscheiden könnten, sondern das umzusetzen hätten, was von
oben diktiert wird. Kummer berichtete, dass man in Riedstadt, wo er 17 Jahre
lang Bürgermeister war, „als kleines Dankeschön“ eine Freikarte für die
Schwimmbäder anbiete.
Für die Ehrenamtskarte müsse man meist viele Jahre im Ehrenamt nachweisen,
kam es zurück. Gebraucht aber werde ein Anreiz für den Nachwuchs, sich
überhaupt begeistern zu lassen. „Man müsste das Ehrenamt stärken, aber es
passiert null“, kritisierte einer der Diskussionsteilnehmer. Die Politiker
seien oft weit weg. Von „Riesenproblemen“ sprach Albrecht Kaffenberger.
Wenn er treuen Mitgliedern ein Weinpräsent mache, dürfe es nicht mehr als
der Beitrag kosten. Mache er einen Fehler, laufe er als Vereinschef Gefahr,
dass ihm rückwirkend die Gemeinnützigkeit aberkannt werde und er sogar
persönlich hafte. Das sei aus der Abgabenordnung nicht abzuleiten, sagte
Kummer, der 15 Jahre als Diplom-Finanzwirt lang beim Finanzamt Darmstadt
tätig war: „Geben Sie mir das Schreiben, dann überreiche ich es dem
hessischen Finanzminister und fordere ihn persönlich auf, das abzustellen.“
Eine einfache Satzungsänderung sei für ihn zum „Spießrutenlauf“ bei den
Behörden geworden, berichtete Heinz Eichhorn, seit 15 Jahren Vorsitzender
des Verschönerungsvereins Reichenbach. Statt Hilfe seien immer neue Hürden
aufgebaut worden. Auch er habe die Erfahrung gemacht, dass kleine Geschenke
zum Geburtstag von Mitgliedern vom Finanzamt als Verstoß gegen die
Gemeinnützigkeit gewertet werden. „Mit solchen Dingen schlägt man sich
herum. Da greift man sich an den Kopf“. Seine Erkenntnis: Das Ehrenamt lasse
sich „nicht mehr aufrechterhalten“.
„Vereine sind eine soziale Stütze und müssen stark bleiben. Gleich, ob in
Hilfs- und Rettungsdiensten, in karitativen, sozialen, kulturellen und
sportlichen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ohne die
Leistung der Vereine wäre unser Gemeinwesen arm dran. Dies gilt es nicht nur
immer wieder zu würdigen“, sagte Kummer. Er sei stolz, dass sich noch so
viele in Vereinen ehrenamtlich engagierten. Vereine müssten finanziell
unterstützt, dürften aber auch nicht überfordert werden. Er selbst sei viele
Jahre als aktiver Feuerwehrmann und als Vorsitzender des Fördervereins des
Büchnerhauses in Riedstadt ehrenamtlich auch über die Partei hinaus
engagiert gewesen“, so der Landratskandidat. Mit dem Thema Kommunalfinanzen
ließen sich zwar offenbar keine Säle füllen, aber es sei wichtig. Denn ohne
Geld gehe auch fürs Ehrenamt nichts mehr. „Wir müssen fürs Ehrenamt und
deshalb fürs Geld kämpfen, das die Landesregierung der kommunalen Familie
vorenthält“, ermutigte Gerald Kummer die Vereinsvorsitzenden.
„Da greift man sich an den Kopf“
Kummer-kümmert-sich-Tour: Der Landratskandidat lässt sich in Reichenbach von
Vereinsvorsitzenden Sorgen und Nöte schildern
LAUTERTAL. Die lebhafte Diskussion mit Vereinsvertretern in Lautertal war so
richtig nach dem Geschmack des Landratskandidaten Gerald Kummer. Gut drei
Wochen vor der Landratswahl am 22. März suchte Kummer das Gespräch, um zu
erfahren, wo die die Vereine der Schuh drückt. Der SPD-Ortsverbands hatte
ins Vereinsheim der Sänger- und Sportvereinigung am Felsenmeer in
Reichenbach eingeladen.
Der Lautertaler SPD-Vorsitzende Rouven Röhrig bezeichnete in seiner kurzen
Ansprache das Ehrenamt als „Fundament der Gesellschaft“. Das freilich
bröckele, weil den Vereinen aktive Mitglieder fehlten. Viele der rund 25
ehrenamtlichen Vereinschefs waren gekommen, um Frust abzulassen. Immer
wieder werde die Bedeutung des Ehrenamts beschworen, doch in der Praxis
seien die Vereine meist auf sich allein gestellt, wurde moniert.
„Ich höre immer nur Worte, aber Taten sehe ich nicht“, brachte es Rolf
Herbold auf den Punkt. Der Vorsitzende des Angelsportvereins beklagt die
wachsende Bürokratie, mit der sich Ehrenamtliche herumzuschlagen haben.
„Finden Sie heute mal einen neuen Vorsitzenden“, sagte Herbold, der sein Amt
seit 40 Jahren innehat. Es fehle Nachwuchs, weil „man keinem was zu bieten
hat“.
Früher, ja früher, habe es um Vorstandsposten noch ein Hauen und Stechen
gegeben, bestätigt Jürgen Machleid vom Verschönerungsverein Gadernheim. Denn
da sei das Amt noch angesehen gewesen. Heute aber sei kaum noch einer bereit
dazu. Denn es sei in der Freizeit immer mehr zu machen. „Rechner im Verein
zu sein, das ist ein Ding. Man bräuchte einen Steuerberater“, sagte der
Vereinsvorsitzende.
Gerald Kummer nickte nicht nur verständnisvoll, er versprach, nach der Wahl
zum Gespräch einzuladen und sich zu kümmern. Als er 1985 in seiner
Heimatstadt ehrenamtlicher Stadtverordneter geworden sei, habe man sich noch
anstellen müssen, um auf eine Kommunalwahlliste zu kommen. Heute sei das
ganz anders. Es werde immer schwerer, Menschen für die ehrenamtliche Arbeit
in der Kommunalpolitik zu begeistern, zumal die gewählten Gemeindevertreter
immer weniger entscheiden könnten, sondern das umzusetzen hätten, was von
oben diktiert wird. Kummer berichtete, dass man in Riedstadt, wo er 17 Jahre
lang Bürgermeister war, „als kleines Dankeschön“ eine Freikarte für die
Schwimmbäder anbiete.
Für die Ehrenamtskarte müsse man meist viele Jahre im Ehrenamt nachweisen,
kam es zurück. Gebraucht aber werde ein Anreiz für den Nachwuchs, sich
überhaupt begeistern zu lassen. „Man müsste das Ehrenamt stärken, aber es
passiert null“, kritisierte einer der Diskussionsteilnehmer. Die Politiker
seien oft weit weg. Von „Riesenproblemen“ sprach Albrecht Kaffenberger.
Wenn er treuen Mitgliedern ein Weinpräsent mache, dürfe es nicht mehr als
der Beitrag kosten. Mache er einen Fehler, laufe er als Vereinschef Gefahr,
dass ihm rückwirkend die Gemeinnützigkeit aberkannt werde und er sogar
persönlich hafte. Das sei aus der Abgabenordnung nicht abzuleiten, sagte
Kummer, der 15 Jahre als Diplom-Finanzwirt lang beim Finanzamt Darmstadt
tätig war: „Geben Sie mir das Schreiben, dann überreiche ich es dem
hessischen Finanzminister und fordere ihn persönlich auf, das abzustellen.“
Eine einfache Satzungsänderung sei für ihn zum „Spießrutenlauf“ bei den
Behörden geworden, berichtete Heinz Eichhorn, seit 15 Jahren Vorsitzender
des Verschönerungsvereins Reichenbach. Statt Hilfe seien immer neue Hürden
aufgebaut worden. Auch er habe die Erfahrung gemacht, dass kleine Geschenke
zum Geburtstag von Mitgliedern vom Finanzamt als Verstoß gegen die
Gemeinnützigkeit gewertet werden. „Mit solchen Dingen schlägt man sich
herum. Da greift man sich an den Kopf“. Seine Erkenntnis: Das Ehrenamt lasse
sich „nicht mehr aufrechterhalten“.
„Vereine sind eine soziale Stütze und müssen stark bleiben. Gleich, ob in
Hilfs- und Rettungsdiensten, in karitativen, sozialen, kulturellen und
sportlichen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ohne die
Leistung der Vereine wäre unser Gemeinwesen arm dran. Dies gilt es nicht nur
immer wieder zu würdigen“, sagte Kummer. Er sei stolz, dass sich noch so
viele in Vereinen ehrenamtlich engagierten. Vereine müssten finanziell
unterstützt, dürften aber auch nicht überfordert werden. Er selbst sei viele
Jahre als aktiver Feuerwehrmann und als Vorsitzender des Fördervereins des
Büchnerhauses in Riedstadt ehrenamtlich auch über die Partei hinaus
engagiert gewesen“, so der Landratskandidat. Mit dem Thema Kommunalfinanzen
ließen sich zwar offenbar keine Säle füllen, aber es sei wichtig. Denn ohne
Geld gehe auch fürs Ehrenamt nichts mehr. „Wir müssen fürs Ehrenamt und
deshalb fürs Geld kämpfen, das die Landesregierung der kommunalen Familie
vorenthält“, ermutigte Gerald Kummer die Vereinsvorsitzenden.